Last Updated on 13. November 2022 by Henning Schweer

Hochschullehre: nach der Erhebung des Vorwissens solltest Du einen Blick auf die Rahmenbedingungen und die Lernumgebung werfen, in die Dein Lernangebot eingebettet ist und die nicht direkt mit den Inhalten und formalen Vorgaben Deiner Veranstaltung zusammenhängen. Je mehr Dir im Vorfeld über die Rahmenbedingungen bekannt ist, umso besser kannst Du nachher mit Ihnen umgehen.

Diese Auseinandersetzung mit den Rahmenbedingungen fängt bei unserer eigenen Stellung in der universitären Hierarchie an. Wir unterrichten in unterschiedlichen Positionen innerhalb der Hochschule. Einige von uns sind Doktoranden, einige Lehrbeauftragte, andere vielleicht Juniorprofessoren, Akademische Räte oder Professoren. Jede dieser Positionen beinhaltet verschiedene Möglichkeiten, Einschränkungen und Konflikte für die eigene Lehre. Doktoranden oder Lehrbeauftragte haben oft einen geringeren Einfluss auf die formalen Vorgaben zu einem Seminar und weniger Zugriff auf universitäre Ressourcen als zum Beispiel Professoren. Auf der anderen Seite sind etwa Lehrbeauftragte von vielen internen Entscheidungsprozessen und Konflikten in der Hochschule entlastet, da sie in die zugehörigen Gremien nicht eingebunden sind und keine Entscheidungsbefugnis haben.

Hochschullehre Lernumgebung Rahmenbedingungen
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Rahmen und Lernumgebung Deiner Hochschullehre prüfen

Auch wenn wir uns bei unserer Planung vielleicht nur auf unsere Inhalte konzentrieren wollen, halte ich es für kurzsichtig, die externen Rahmenbedingungen und die Lernumgebung nicht zu beachten. Diese fangen schließlich schon bei der praktischen Organisation für mein Lernangebot an. Gibt es zum Beispiel klare Ansprechpersonen, wenn es um Raumfragen, Materialien und Konflikte geht? Manche Hochschulen sind hier vorbildlich und haben gute Strukturen geschaffen, die insbesondere Lehrbeauftragten, die ansonsten kaum Kontakt zur Universität haben, bei ihrer Arbeit sehr hilfreich sind.

Manchmal regiert aber auch die organisierte Verantwortungslosigkeit und wir stellen dann im Semester fest, dass technische Ausstattung, Material, Moderationskoffer etc. fehlen und wir unsere Materialien auf eigene Kosten kopieren müssen, ewig auf unseren Zugang zur Onlineplattform oder die Unterstützung bei der Medienproduktion warten müssen. Oder wir stehen morgens um acht vor dem verschlossenem Seminarraum und niemand fühlt sich zuständig, den Raum aufzuschließen und die Bestätigung des Lehrauftrages irrt seit Monaten durch die Verwaltung, von der pünktlichen Überweisung der ausgelegten Reisekosten ganz zu schweigen.

Das mag alles übertrieben klingen, aber das eine oder andere dürften einige von uns im Alltag schon erlebt haben. Unter solchen Bedingungen gute Lehre zu halten und ein entspannter Dozent zu sein, ist eine Herausforderung. Auch vor internen Konflikten um Geld, Einfluss und Prestige sind deutsche Hochschulen nicht gefeit, gerade in Zeiten schrumpfender öffentlicher Mittel und Umstrukturierungen. Wer hier die Probleme vorab kennt, kann sich aus Konflikten möglichst heraushalten oder schon vor Semesterbeginn durch rechtzeitige Planung vorbeugen.

Auf der anderen Seite kann das Lehren am richtigen Institut eine Wohltat sein, mit guter Ausstattung, konstruktiven und kollegialen Kollegen, klaren Ansprechpersonen, guten Strukturen und motivierten Studierenden. Wer solche Dinge im Vorfeld in Erfahrung bringt, kann sich hinterher viel Ärger ersparen (oder schon mal freuen, je nach dem). Es lohnt sich also, Erkundigungen anzustellen.

Hochschullehre Lernumgebung Rahmenbedingungen
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Unterstützungsangebote für Deine Hochschullehre nutzen

Ein Blick auf die Rahmenbedingungen zahlt sich häufig auch in anderer Form aus: viele Hochschulen bieten inzwischen ein vielfältiges institutsübergreifendes Unterstützungsangebot für ihre Lehrenden an. Dies bietet Dir – häufig auch als externer Dozent – allgemeine Unterstützungsangebote zur Medienproduktion, Beratung für die Konzeption von Lehrveranstaltungen oder digitale Angebote auf den vorhandenen Lernplattformen an. Es ist zudem hilfreich, sich über eventuell angebotene Sammlungen und Hinweise auf Open Educational Resources (OER) zu informieren. Diese kannst Du (im Rahmen der jeweiligen Lizenzbedingungen) als Ergänzungen und Unterstützung Ihres Lernangebotes nutzen.

Auf diesem Wege kannst Du sich oft Arbeit ersparen und Deine Lehre mit interessanten Inhalten weiter anreichen. Recherchiere hierzu gezielt auf den Internetseiten der Hochschule und bei den universitären medien- und/oder hochschuldidaktischen Einrichtungen. Auch ein Blick auf eine eventuell vorhandene digitale Lernplattform sowie OER-Repositorien lohnt sich.

Versuche zudem vorab Ansprechpersonen auszumachen und frühzeitig zu kontaktieren. Wer ist zum Beispiel für die Raumvergabe zuständig, wer betreut die Lernplattform der Universität, welche Formulare brauche ich für Reisekostenerstattung und wo reiche ich sie ein? Gibt es nur eine eingeschränkte Ausstattung, kann man gewisse Dinge selbst mitbringen, internen Konflikten, die man vorher kennt, kann man versuchen aus dem Weg zu gehen. Mir geht es nicht darum, Dir die Lehre an der Universität madig zu machen, vielmehr möchte ich Dich dazu ermutigen, für Dich als Lehrende/r selbst zu sorgen und Verantwortung für den Erfolg der eigenen Lehre zu übernehmen. Dies wird kein anderer für Dich tun.

Versuche stattdessen, mit Problemen konstruktiv umzugehen, Unterstützungsangebote für Deine Lehre frühzeitig identifizieren und für erwartbare Schwierigkeiten vorab Lösungen zu finden, auch wenn es vielleicht in Deinen Augen nur die zweit- oder drittbeste ist. Je mehr Du vorher über die Rahmenbedingungen weist, umso besser kannst Du nachher damit umgehen, bestehenden Spielräume ausloten und für Deine eigenen Vorstellungen nutzen.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus meinem Ratgeber: Tipps für die Hochschullehre: wie Sie gute Lehre planen, umsetzen und nachbereiten. Er ist als eBook und als Printausgabe im Buchhandel und online erhältlich.

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