Last Updated on 28. Mai 2023 by Henning Schweer

Deutschland ist träge und das ganz im wörtlichen Sinne: der Bewegungsmangel in unserer Gesellschaft hat katastrophale Ausmaße angenommen. Mit verheerenden Folgen für unsere persönliche Gesundheit, unser seelisches Wohlbefinden, aber auch unser Gesundheitssystem und unser Zusammenleben. Bereits 2018 also vor der Corona-Pandemie bewegten sich nur 43% der Bundesbürger ausreichend. Dabei ging dieser Report schon von einer sehr niedrigen Bewegungsrate von gerade mal 150 Minuten moderater Bewegung in der Woche (!) aus.

Nichts im Vergleich zu der Bewegungsrate früherer Generationen und zu der Bewegungsrate, für die unser Körper eigentlich gemacht ist. Unsere jagenden Vorfahren hatten Bewegungsradien von 20-30 km um ihre Lager herum und kamen so beim Laufen durchaus auf eine Marathon-Distanz pro Tag. Statt Bewegung ist heute jedoch Sitzen angesagt, 2018 waren es 7,5 Stunden, 2021 dann schon 8,5 Stunden am Tag. Junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren sitzen inzwischen sogar im Schnitt 10,5 Stunden am Tag.

Die Auswirkungen sind katastrophal: Bewegungsmangel macht körperlich und seelisch krank. Zu den körperlichen Folgen mangelnder Bewegung gehören u.a. die Entstehung von Übergewicht, ein erhöhtes Risiko für Diabetes Typ 2, Arthritis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und die allgemeine Verkümmerung des Bewegungsapparates. Im Bereich der Psyche erhöht Bewegungsmangel das Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, allgemeine Antriebslosigkeit und Stress. Ich würde vermuten, dass ein großer Teil des zunehmend neurotischen Verhaltens in der deutschen Bevölkerung – neben den Auswirkungen von Konsumismus und dem modernen (Soziale-) Medienkonsum – auf die negativen Folgen des Bewegungsmangels zurückzuführen ist. Vor diesem Hintergrund hat die stille Pandemie namens Bewegungsmangel in meinen Augen selbstzerstörerische Tendenzen, individuell und gesellschaftlich.

bewegungsmangel
Bewegung ist der Schlüssel zur Gesundheit (Bild: Andrea Piacquadio at Pexels)

Allein die aus Bewegungsmangel resultierenden Zivilisationskrankheiten drücken schwer auf unsere eh schon überlasteten Sozialsysteme. Eine fatale Entwicklung, die sich noch verstärken wird, wenn aus den inaktiven und dadurch gesundheitlich vorgeschädigten Arbeitstätigen demnächst in großer Zahl weiterhin inaktive und dann zunehmend kranke Rentner werden. Wie obige Zahlen zeigen, wird auch die nachwachsende Generation nicht besser aufgestellt sein, eher noch schlechter. Angesichts der Herausforderungen, die uns als Gesellschaft auf Grund der aktuellen und künftigen Krisen erwartet, steht uns also noch eine hausgemachte Gesundheitskrise ins Haus bzw. sie ist schon da, wenn man sich die explodierenden Zahlen bei den körperlichen und seelischen Zivilisationskrankheiten anschaut.

Obwohl es also an alarmierenden Zahlen nicht fehlt und regelmäßig in den Medien über den fortschreitenden Bewegungsmangel berichtet wird, scheinen mir Konsequenzen auszubleiben. In Richtung (Gesundheits-)Politik wundert mich dies inzwischen leider wenig, scheint es doch bei uns aus der Mode gekommen zu sein, den Menschen selbst etwas abzuverlangen. Dabei sollte die konsequente Förderung von Bewegungsprävention und umgekehrt die – an den jeweiligen Gesundheitszustand angepasste – Einforderung persönlicher Bemühungen auf diesem Gebiet ein Schwerpunkt unseres Gesundheitssystems sein. Denn Bewegung ist etwas, was jeder einzelne von uns selbst betreiben muss.

Hier gibt es weder Abkürzungen noch teure Wundermittelchen, die uns Eigeninitiative und -verantwortung abnehmen. Jeder ist aufgerufen, selbst auf diesem Gebiet aktiv zu werden, schon allein aus purem Eigeninteresse zum Schutz der eigenen Gesundheit. Mehr Bewegung bedarf dabei keiner teuren und komplizierten Methoden oder Geräte. Wie man mit Sport anfangen kann, habe ich in einem eigenen Blogbeitrag beschrieben.

Wie in vielen Dingen glaube ich, dass es auch bei der Bekämpfung des Bewegungsmangels und seiner Folgen auf uns selbst ankommt. Weder der Staat mit all seinen gut gemeinten Vorhaben noch die Konsumindustrie mit ihren leeren Versprechungen werden uns hier in absehbarer Zeit weiterhelfen. Packen wir es also selbst an: greifen wir zu einem einfachen Paar Laufschuhe und laufen los, statt vor dem Fernseher zu versacken, machen wir ein paar einfache Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, statt durch den Schrott auf dem neuesten Social Media Kanal zu scrollen, fahren wir mit dem Rad zur Arbeit, gehen wir in der Mittagspause spazieren etc. Die Möglichkeiten sind da, wir müssen Sie nur nutzen wollen.

bewegungsmangel
Bewegung, Schlüssel zu mehr Zufriedenheit (Bild: Andrea Piacquadio at Pexels)

Einen weiteren Blogartikel zu diesem Thema findet Ihr hier.

Ähnliche Beiträge auf meinem Blog:

Wie fange ich mit Sport an?

Sport und Bewegung: Schritt für Schritt zum Erfolg

Laufen im Herbst: 5 Gründe für mehr Bewegung

Links zum Artikel (zuletzt abgerufen am 07.08.2022):

Statista zu Bewegungsmangel

DKV Report auf tagesschau.de