Last Updated on 30. Juli 2023 by Henning Schweer

Japanreise – Kobe: Nachdem wir unsere diesjährige Japanreise in Tokyo begonnen hatten, ging es weiter nach Kobe. Da wir mit dem Schiff durch Japan gereist sind, starteten wir auch hier am Cruise-Terminal der Stadt. Kobe ist dabei eine japanische Stadt, deren Charme und Vielfalt sich in meinen Augen erst auf den zweiten Blick erschließt. Die Stadt ist eine der größten Häfen Japans und ein wichtiger Industriestandort. Zudem wurde sie 1995 durch ein schweres Erdbeben zerstört und modern wieder aufgebaut. Entsprechend gibt es wenig alte Bausubstanz und die Stadtarchitektur ist vornehmlich modern und effizient. Aber Kobe und seine Bewohner haben unsere Herzen trotzdem schnell erobert.

Kobe: erster Blick auf eine geschäftige Wirtschaftsmetropole

Japan Kobe Hafen maritimes Museum
Blick am Hafen Richtung des (eingepackten) Port Towers, vorne die Kobe Kaientai Skulptur (Privatarchiv).

Wir kamen gegen 7:00 Uhr in Kobe an und der erste Blick aus dem Kabinenfenster war eher wenig einnehmend: schauten wir doch direkt auf eine doppelstöckige Autobahn und Bahnstrecke, welche das Stadtzentrum mit dem Cruiseterminal und weiter mit zwei künstlichen Inseln verbindet. Auf der einen – Port Island – ist der neue Hafen und eine Universität untergebracht, auf der andere liegt der Flughafen von Kobe. Es erstaunt mich immer wieder, wie in Asien solche Bauprojekte gelingen, während es bei uns schon kaum möglich scheint, Flughäfen, Bahnhöfe und Windräder an Land zu bauen…

Wir hatten mit der Brücke also den Schwerlastverkehr quasi vor der Kabine. Das machte uns aber wenig, da wir hier wie überall auf der Reise, uns praktisch den ganzen Tag draußen an Land bewegt und auch Kobe zu Fuß erkundet haben. Der Blick von der anderen Seite des Schiffes offenbarte zudem auch einen weitaus schöneren Blick auf das alte Hafengebiet, welches heute als Meriken-Park an seiner Promenade vornehmlich Hotels, das maritime Museum und weitere Freizeitmöglichkeiten bietet. Das Wahrzeichen von Kobe, den feuerroten Stahlturm „Port Tower“ haben wir auf Grund von Sanierungsarbeiten nur eingepackt gesehen.

Kobe Hafenblick
Blick vom Meriken-Park ans andere Ufer mit der alten Hafensignalstation ganz links (Privatarchiv).

Erster Tag in Kobe: Meriken-Park, Motomachi und Chinatown

Nach dem Frühstück haben wir uns gegen 10:00 Uhr zu Fuß auf in die Stadt gemacht. Wie schon gesagt, ist der erste Eindruck von Kobe eher rau. Architektonisch ist die Stadt modern und durcheinandergewürfelt. Teilweise wurde auf die Reste alter Gebäude einfach ein Hochhaus gesetzt. Aber beim spazieren gehen finden sich schnell viele interessante Ecken. Auch hier war es – wie in ganz Japan – in der ganzen Stadt extrem sauber und wir fühlten uns überall in der Stadt vollkommen sicher.

Unser Weg führte zunächst vom Cruise-Terminal entlang der besagten Autobahn über einen Hochfußweg in Richtung des alten Hafens und Meriken-Park. Erste Station auf dem Weg war dabei der kleine Minato-Mori-Park. Ein Sportareal der auch in Erinnerung an das verheerende Erdbeben von 1995 angelegt wurde.

Minato no Mori Park
Der kleine Minato-no-Mori-Park, einer von mehreren Orten in Kobe, die an das Erdbeben von 1995 erinnern (Privatarchiv).

Entlang der Uferpromenade ging es dann weiter Richtung Meriken-Park und dem alten Pier von Kobe. Hier liegt ebenfalls ein Erinnerungspark sowie ein Denkmal an die Opfer des Erdbebens. Der Park selbst ist sehr modern angelegt, dort befindet sich unter anderem das maritime Museum, mit seinen filigranen Dachkonstruktionen , die an Schiffsrümpfe erinnern sowie ein Denkmal zur Erinnerung an die japanischen Auswanderer nach Südamerika im letzten Jahrhundert. Die gesamte Anlage ist schön gestaltet, mit Springbrunnen und der Möglichkeit, den Blick auf das Meer zu genießen. Glücklicherweise hatten wir auch in Kobe bestes Frühlingswetter mit strahlendem Sonnenschein. Am Platz liegt auch das Kobe Meriken Park Oriental Hotel, dessen Form an ein Kreuzfahrtschiff erinnert und in der Tat ist hier ein weiterer Schiffsanleger.

Auswandererdenkmal in Kobe
Das Denkmal für die japanischen Auswanderer nach Südamerika im Hafen von Kobe (Privatarchiv).

Von dort gingen wir vorbei am verhüllten und wegen Sanierung leider gesperrten Port Tower und umrundeten ein weiteres Hafenbecken bis wir zur alten Hafensignalstation und dem dort gelegenen Kindermuseum inklusive Riesenrad kamen. Kurz danach endete allerdings das begehbare Hafengelände recht unspektakulär. Wir beschlossen daher, in die Innenstadt Richtung Ikuta-Schrein zu gehen. Dabei sind wir auch an Notre-Dame-Kobe vorbeigekommen. Wir dachten wirklich, dieses Gebäude wäre eine echte Kirche, drinnen stellte sich aber heraus, dass es gar keinen Kirchenraum gibt, sondern das ganze Gebäude in Wirklichkeit ein gigantischer Wedding-Room ist. Inklusive kitschiger Freitreppe und großer Orgel…

Kobe Chinatown
Kobes Chinatown, auch für Japaner eine beliebte Touristenattraktion (Privatarchiv).

Auf dem Weg konnten wir vereinzelte Reste von Fassaden aus dem frühen 20. Jahrhundert sehen, in der Regel mit Wolkenkratzern überbaut. Unten 2-3 Stockwerke mit alter Fassade, darüber alles hypermodern. Zufällig entdeckten wir bei unserem Spaziergang die Motomachi-Einkaufsstraße, eine riesige überdachte Fußgängerzone voller kleiner Geschäfte und Restaurants, interessant und abwechslungsreich. Parallel dazu verläuft Kobes Chinatown, begrenzt von den typischen chinesischen Toren. Auch hier sind die Gebäude nur im unteren Teil mit klassischen chinesischen Fassadenelementen ausgestattet und ansonsten modern. Das Viertel ist brechend voll und es reihen sich chinesische Garküchen und Restaurants aneinander. Auch für die Japaner eine Touristenattraktion. Uns hat es sehr gut gefallen.

Der Ikuta-Schrein

Schließlich erreichten wir den Ikuta-Schrein. Ein klassischer Schrein mitten in dieser modernen Stadt. Er ist der Schutzgöttin von Kobe geweiht und besteht aus einem großen Hauptschrein mit einer Vielzahl von kleinen und sehr kleinen Nebenschreinen. Den Votivtafeln nach, die man hier erwerben kann, scheinen hier vor allem Liebespaare um Zuspruch zu bitten. Das Gelände ist sehr schön gestaltet und lohnt auf jeden Fall einen Besuch.

Ikuta Schrein Kobe Hauptgebäude
Das Hauptgebäude des Ikuta-Schreins in Kobe (Privatarchiv).

Auf unserem Rückweg vom Schrein zum Hafen kamen wir noch an einer Filiale der Isuzu-Bakery-Kette vorbei. Da wir weder die Beschriftung der Backwaren lesen konnten, noch uns mit dem – sehr freundlichen – Personal wirklich unterhalten konnten, haben wir uns einen Spaß daraus gemacht, einfach auf gut Glück Backwaren zu kaufen und uns überraschen zu lassen, wie es schmeckt. In der Tat hatten wir dann sowohl süße als auch herzhafte Gebäckstücke mit den unterschiedlichsten Füllungen. Verzehrt haben wir unser „Überraschungspaket“ dann wieder am Meriken-Park mit Blick auf die Bucht von Kobe, ehe wir am späten Nachmittag zurück zu unserem Schiff gegangen sind.

Gelungener Abschluss dieses spannenden ersten Tages in Kobe war dann noch ein gemeinsamer Lauf von einer knappen Stunde auf Port-Island. Wie wir dabei feststellten, liegt hier nicht nur der neue Hafen, sondern auch ein Uni-Campus und eine Vielzahl von Sportstätten. Mit Blick auf das nächtlich-erleuchtete Kobe endete dann unser Tag. Über unseren zweiten Ausflug in Kobe berichte ich dann im dritten Teil meiner Blogreihe zu unserer Japanreise 2023.

Weitere Beiträge aus dieser Serie:

Japan Teil 1: ein Spaziergang durch Tokyo

Japan Teil 3: Unser zweiter Tag in Kobe

Externe Links:

Informationen zu Kobe auf Wikipedia (Stand: 17.06.2023)

Informationen zu Japan auf Japan Travel (Stand: 17.06.2023)

Website der Isuzu-Bäckerei (auf japanisch, Stand: 30.07.23)