Last Updated on 8. Oktober 2023 by Henning Schweer

Japanreise – Beppu: Die vierte Station unserer diesjährigen Japanreise führte uns – nach Tokyo und Kobe – weit in den Süden, in die Stadt Beppu auf der Insel Kyushu. Dieser Ort ist berühmt für seine unzähligen heißen Quellen. Er verfügt über mehr als 3.000 Thermalquellen und gilt als der Onsen-Badeort schlechthin. Der Begriff Onsen für die japanischen Thermalbäder soll hier seinen Ursprung haben. Jedes Jahr besuchen daher Millionen japanischer Touristen die Bäderstadt. Die thermalen Aktivitäten auf dieser Insel sind so groß, dass man überall über der Stadt und in der Landschaft den Dampf heißer Quellen aufsteigen sieht. Wir selbst haben uns gegen den Besuch eines Badehauses und stattdessen für eine Tour zu den bekanntesten sieben „Höllenquellen“ (sog. Jigoku), d.h. besonders heißen Thermalquellen, entschieden.

Beppu Japan
Anfahrt auf den Anleger von Beppu, Japan im Morgengrauen (Bild: Privatarchiv).

Gegen 9:00 Uhr morgens erreichten wir den Hafen von Beppu. Zur Begrüßung unseres Schiffes spielte eine Schüler-Big-Band am Pier und bot ein halbstündiges, abwechslungsreiches Musikprogramm. Wir waren anscheinend eines der ersten Schiffe, die nach der Pandemie die Stadt wieder angelaufen haben und wurden dementsprechend begrüßt. Nach Musikprogramm und Frühstück gingen wir gegen 10:30 Uhr von Bord. Beppu ist eine recht kleine Stadt und wirkt (bis auf die allgegenwärtigen Dampfsäulen) auf den ersten Blick recht unspektakulär. Wir hatten uns auch diesmal wieder dafür entschieden, unsere Ziele per Fuß zu erlaufen, eine Entscheidung, die uns auch angesichts des wieder wunderbaren Frühlingswetters leicht fiel.

Wir machten uns also auf den Weg zu den sieben Höllenquellen, die außerhalb der Stadt in den umgebenden vulkanischen Bergen liegen. Unsere Wanderung führte uns vom Pier durch die Stadt. Wir passierten Wohngebiete, liefen durch kleine Gassen und Straßen und gelangten schließlich entlang einer großen Ausfallstraße über knapp 5 km immer höher in die Berge, bis wir die entfernteste Quelle, Umi Jigoku, erreichten. Die Höllenquellen sind übrigens viel zu heiß zum Baden, stattdessen findet man in ihrer Umgebung Stände, an denen der heiße Dampf aus dem Erdinnern zum Garen von Eiern benutzt wird, die als Delikatesse und Touristenattraktion verkauft werden.

Die sieben Höllenquellen bei Beppu

Die kobaltblaue Höllenquelle Umi Jigoku mit dem Eingang zum Shinto-Schrein (Bild: Privatarchiv).

Umi Jigoku ist ein großer, kobaltblauer, heißer See, der mitten in einem sehr schönen Park inklusive Shinto-Schrein liegt. Der Anblick wurde noch durch die Kirschblüte verstärkt, die hier in Beppu gerade auf dem Höhepunkt war, als wir die Stadt besuchten. Für alle Höllenquellen muss man Eintritt zahlen, aber es gibt die Möglichkeit, eine kombinierte Eintrittskarte für alle sieben Quellen zu kaufen. Die Quellen liegen nicht alle direkt zusammen, aber es gibt eine Busverbindung für diejenigen, die nicht wie wir die Strecke zu Fuß bewältigen wollen (oder können). Die Quellen sind auch bei Japanern eine beliebte Touristenattraktion, sie sind also gut besucht und ihre Umgebung ist mit Restaurants, Museen und Shops touristisch stark erschlossen. Aber auch wenn es eher touristisch ist, die Quellen lohnen sich auf jeden Fall.

Ein Blick in die Parkanlage von Umi Jigoku mit voller Kirschblüte (Bild: Privatarchiv).

Direkt in der Nähe der Umi Jigoku liegen die Höllenquellen Oniishi Bozu Jigoku mit vielen heißen Schlammtümpeln und die Kamado Jigoku mit roten und blauen heißen Seen und weiteren Schlammtümpeln. Wieder einen großen, dampfenden kobaltblauen Teich bietet Oniyama Jigoku, ebenfalls in direkt Nähe zu den vorherigen Quellen. Hier werden mit Hilfe der Erdwärme Krokodile gezüchtet, die allerdings sehr eng in kahlen Betonbassins gehalten werden. Für uns kein wirklich schöner Anblick.

Auf dem Gelände der Umi Jigoku gibt es auch viele heiße Schlammquellen (Bild: Privatarchiv).

Nach diesen vier ersten Quellen machten wir einen Zwischenstopp im Jigoku Onsen Museum. Ein modernes Museum über die Höllenquellen und die Onsen, dessen Ausstellung wir aus Zeitgründen allerdings nicht besucht haben. Stattdessen machten wir eine kurze Pause im zugehörigen Museumscafé „50 Café“, um ein Eis zu essen. Es gab eine Art Softeis, sehr lecker und erfrischend, welches wir auf der Caféterrasse im Museumshof verspeisten, in dessen Mitte – wie könnte es hier anders sein – man eine heiße Quelle bewundern kann. Überall um die Höllenquellen herum kann man hier die geothermische Aktivität bemerken, selbst aus den Straßengullis steigt Dampf.

Jigoku Onsen Museum Beppu Japan
Der Innenhof des Jigoku Onsen Museums (Bild: Privatarchiv).

Nachdem wir unsere Füße etwas erholt hatten, ging es nun zum nahe gelegenen Shiraike Jigoku, dessen Hauptattraktion ein heißer grüner Teich ist, um den ein schöner kleiner Park angelegt ist. Zudem gehört noch ein Aquarium mit riesigen Karpfen und Welsen zu der Anlage. Auch hier kann man leider- wie schon bei den Krokodilen – nicht wirklich von artgerechter Haltung sprechen. Der Tierschutz erschien uns bei solchen Attraktionen in Japan häufig verbesserungsfähig.

Der grüne Teich von Shiraike Jigoku (Bild: Privatarchiv).

Die letzten beiden Jigoku auf unserer Tour lagen weiter entfernt von den übrigen. Wir legten die Strecke von etwa 3 km entlang der Straße über und durch die umgebenden Berge zurück (man kann aber wie gesagt auch den Bus nehmen). Der Weg führte uns vorbei an kleinen Häusern am Hang, vorbei an Gemüsegärten und durch waldige Abschnitte, teilweise aber auch mit dem Blick bis runter nach Beppu zum Meer. Schließlich erreichten wir Tatsumaki Jigoku, ein Geysir, der alle 25 Minuten ausbricht. Eigentlich wäre er 30-40 Meter hoch, doch über dem Geysir wurde eine Art Dach gebaut, deswegen war der Anblick am Ende aus unserer Sicht nicht so spektakulär.

Tatsumaki Jigoku Beppu Japan
Leider nicht ganz so spektakulär wie gedacht, der Geysir Tatsumaki Jigoku (Bild: Privatarchiv).

Letzte Station auf unserer Höllenquellen-Tour war dann direkt nebenan Chinoike Jigoku, der sogenannte Blutsee. Ein großer, tiefroter und heißer See. Im angeschlossenen Restaurant Gokurakuta haben wir dann erneut eine Pause gemacht. Wir probierten Pflaumen-Soda (sehr gut) und Oita Yaseuma. Eine Art von Teigstreifen, die mit Sojamehl und Zucker bestreut werden. Mit Stäbchen nicht ganz einfach zu essen und vom Geschmack her eher ungewöhnlich, aber ebenfalls gut.

Chinoike Jigoku Beppu Japan
Unsere letzte „Höllenquelle“, der Blutsee Chinoike Jigoku (Bild: Privatarchiv).

So gestärkt sind wir dann gegen 16:30 Uhr die Berge hinab zurück in Richtung Beppu bis zur Küsten gegangen. Dann entlang der Küstenstraße und durch den kleinen Shoningakama-Park in Beppu am Wasser zurück zum Anleger, wo wir gegen 17:00 Uhr ankamen. Gegen 19:30 Uhr legten wir dann ab und machten uns auf den Weg zu unserem nächsten Halt in Japan, Hiroshima.

Weitere Beiträge in dieser Serie über Japan:

Unser zweiter Tag in Kobe

Kobe entdecken

Ein Spaziergang durch Tokyo

Externe Links zu diesem Beitrag:

Informationen zu Beppu auf Wikipedia (Stand: 10.09.2023)

Informationen zu den sieben Höllenquellen auf japan-guide.com (Stand: 10.09.2023)

Website des Jigoku Onsen Museums (auf Japanisch, Stand: 10.09.2023)

Restaurant Gokurakutei auf der Seite von Chinoike Jigoku (auf Japanisch, Stand, 16.09.2023)