Last Updated on 24. September 2023 by Henning Schweer

Vor einiger Zeit hatte ich einen Beitrag über das Schreiben als eine Möglichkeit, mit Trauer und Verlust umzugehen, veröffentlicht. Bereits in diesem Beitrag spielte das Schreiben von Gedichten eine zentrale Rolle. Ich denke, dass Gedichte durch ihre sehr komprimierte und eingängige Form eine gute Textart sind, um den eigenen Gefühlen Raum zu geben. Unabhängig davon, ob man sie selbst schreibt oder einfach liest. Beides kann meiner Erfahrung nach entlastend sein. In diesem Beitrag habe ich eine kleine Auswahl meiner Gedichte zusammengestellt, die sich mit dem Themen Trauer, Verlust aber auch Sehnsucht auseinandersetzen.

Am Horizont
Im Glitzern
auf den Wellen
sehe ich dein Boot
am Horizont,
ein Schemen
zwischen Meer
und Himmel,
mit jedem Blinzeln
trägt der Wind
es weiter fort,
nur ein Augenblick
und es verschwindet
im Licht.

Stille
Stille in den Räumen,
nichts hat sich verändert,
als wärst du nur kurz weg,
als warten alle Zimmer
geduldig nur auf dich.

In der Küche liegt
deine letzte Zeitung
noch auf dem Tisch.
Die Schlagzeilen,
längst vergessen.

In den Schränken hängen
säuberlich aufgereiht
deine Hemden,
leicht streichen meine Finger
über den rauen Stoff.

Stille in den Räumen,
nichts hat sich verändert,
ich sitze hier
und warte,
als kämst du gleich zurück.

Die Toten
Vergessen sind die Toten,
unsichtbar stehen sie
an den Häuserecken,
stumm blicken sie
durch die Fenster,
warten vor
verschlossenen Türen.

Vergessen sind die Toten,
in den Parks stehen sie
zwischen den Bäumen,
am Rande der Wege
blicken sie
den Passanten nach,
die achtlos vorübergehen.

Vergessen sind die Toten,
heimatlos wandern sie
durch Straßen, über Plätze,
die Jahre vergehen,
die Bilder verblassen,
die Zeit schleift
gleichgültig alles glatt.

Der Weg
Der Weg liegt vor mir,
jeden Tag hoffe ich neu,
er trägt mich zu dir.
Tief in mir weiß ich,
du wartest auf mich.

Doch wie lange soll ich noch gehen,
wie oft soll ich mich noch fragen,
wann werde ich dich wiedersehen.
Siehst du nicht,
wie schwer ich an den Tagen trage?

Unsere Liebe
Unsere Liebe wird überdauern,
weder Meere noch Berge
können uns trennen,
noch Jahre und Tage
zwischen uns stehen.

Und lägen alle Himmel
zwischen uns,
unsere Liebe würde
uns zueinander tragen
wie Schwingen aus Morgenlicht.

Wieviel Hass und Missgunst
die Menschen über uns
auch ausbreiten mögen,
unsere Liebe würde
all ihrer Bosheit widerstehen.

Selbst der Tod wird uns
nicht trennen,
zerfielen unsere Körper auch
zu Asche und Staub,
in unserer Liebe blieben wir eins.

Weitere Gedichte:

Die Gedichte entstammen meinen Gedichtbänden „Januarstrand“ und „Gekritzel auf meiner Haut“. Beide Bände sind im stationären Buchhandel und online erhältlich.

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