Last Updated on 3. Dezember 2023 by Henning Schweer

Herbstgedichte: ich habe ja eine Schwäche für den Herbst. Eine Jahreszeit, die mich sowohl mit Zufriedenheit als auch mit Melancholie erfüllt. Ruhe, Zurückhaltung, Nachdenklichkeit und Besinnung sind die Assoziationen, die sich bei mir mit dem Wort Herbst einstellen. Auch Trauer und Erinnerung. Alles Themen, die in unserer schrillen, lauten und hysterischen Zeit keinen Platz mehr zu haben scheinen.

Charaktereigenschaften wie Introvertiertheit, Sensibilität und Bescheidenheit aber auch Gefühle wie Trauer und Schüchternheit werden in meinen Augen vielmehr zunehmend pathologisiert und aggressiv aus dem Alltag gedrängt. Ich vermute, weil sie weder zum heiligen Gral des konsumistischen Lebensstils noch zur durchkommerzialisierten Ballermann-Eventleitkultur unserer Gesellschaft passen. Umso mehr ist mir das Schreiben und Lesen von Gedichten und hier gerade von Gedichten über den Herbst ein willkommenes privates Gegengewicht zu diesen Trends.

In diesem Beitrag habe ich eine kleine Auswahl meiner Herbstgedichte zusammengestellt, die sich dieser Jahreszeit und ihren Themen widmen:

HERBSTSTÜRME

Am Himmel sehe ich dunkle Wolken ziehen,

schnell eilen sie im Sturm dahin.

Die frische Luft ist angenehm,

kurze Schauer eilen vorbei.

Im dunklen Mantel geh ich eingehüllt

unter wogenden Bäumen die Straßen entlang.

Nebel hat am Morgen die Welt bedeckt,

nun vertreibt der Wind die Sorgen.

Herbstgedichte
Musa Ortaç at Pexels

NOVEMBERGLAS

Milchiges Licht

erfüllt die Straßen.

Graue Tage

ohne Schatten.

Still und kühl

steht die Luft

über der Stadt,

Novemberglas.

Gelblich blass

glimmt der Himmel

in der Nacht

über den Häusern.

Kein Mond, keine Sterne,

stumm hüllt

das Dämmerlicht

alle Gedanken ein.

Herbstgedichte
Anastasia Prideina at Pexels

GINSTER UND HEIDE

Ginster und Heide

säumen unseren Weg,

zwischen Wacholder

und grauen Felsen

schlängelt sich

der Pfad entlang.

Wie weit müssen wir

noch gehen?

Fällt doch schon

die Dämmerung

über uns, künden Wolken

von Wind und Regen.

Wartet auf uns

am Ende des Weges

eine Zuflucht?

Ein warmes Feuer

im Kamin, das Dunkel

und Kälte vertreibt?

Gemeinsam gehen wir

im abnehmenden Licht

den Pfad zwischen

Heide und Ginster,

halten uns fest,

dass wir uns nicht verlieren.

Herbstgedichte
Sindre Strøm at Pexels

WOLKEN ZIEHEN

Wolken ziehen,

Wellen brechen,

an Klippen, an Stränden.

Nebelfetzen ziehen im Wind,

salzige Luft.

Lichter strömen,

Stürme heulen,

über Dünen, über Wiesen.

Menschen gebeugt im Regen,

schemenhaft.

Noch mehr Herbstgedichte

Diese Herbstgedichte entstammen meinen Gedichtbänden „Januarstrand“ und „Gekritzel auf meiner Haut“, die Du im stationären Buchhandel und online erwerben kannst.

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